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Thursday, 9 April 2026

Kleine Hilfen im digitalen Urwald

Ich hatte heute das Vergnügen, einer interessierten jungen Frau eine Zusammenstellung mit nützlichen Links für den Einstieg in Quellen der Sattelzeit zu schicken. 

Vielleicht sind einige der Datenbanken auch für Lesende des Blogs von Interesse, daher teile ich diese hier mal - grad e-rara und e-periodica sind vielleicht Forschenden ausserhalb der Schweiz weniger bekannt und könnten dennoch von Nutzen sein: 

E-rara - die Plattform mit Volltextsuche. Rechtstexte zu Frauen sind unter Stichworten wie “Erbschaft”, “Chorgericht” oder “Ehe” zu finden. Sachen zu Kleidung (z.B. die Kleiderordnungen mit entsprechenden Stichworten (z.B. Vêtement oder Reformationscammer) - hier als Beispiel die Kleiderordnung in Fribourg 1774

Eingrenzung nach Zeit und Erscheinungsort mittels der Filterfunktion. 

Auch eine tolle Datenbank ist die e-periodica, ein Service der ETH - grad bei Frauenfragen gibt es auch immer mal wieder Überschneidungen zu anderen Disziplinen wie z.B. der Kunstgeschichte, mit der Suche landet man in vielen verschiedenen Publikationen.

Stapfer-Enquête: die grosse Schulumfrage von 1799, die eine doch recht ordentlichen ersten Eindruck über die Alphabetisierung im Gebiet der heutigen Schweiz zu Ende des 18. Jahrhunderts bietet. Suchfunktion via die Karte oder über das Ortschaftsverzeichnis, alles transkribiert aber auch mit PDF zum Quellentext.

Das Journal des Luxus und der Moden - auf der ThULB: Die Suche ist eine Stichwortsuche, basierend auf Doris Kuhles Dissertation (händisch erfasst) von 2003, d.h. auch da findet sich beim Lesen oft mehr, als die Suche gibt. 

Das Journal des Dames et des Modes
Bei Gallica BNF stirbt die Datenbank beim Journal seit der Migration alle paar Zugriffe mal wieder den Heldentod… - alternativ auf Bunka Gakuen

Ebenfalls auf Gallica findet sich Constance Pipelets (später la Princesse de Salm) Brief an die Frauen, von 1797 (Also nach dem Terror veröffentlicht)


Monday, 11 July 2022

Les fleurs artificielles sont encore le genre de coëffure qui sied le mieux aux dames

Kürzlich trug ich für ein Ensemble von 1804 ein Diademe aus Seidenrosen, aber auch ein paar Jahre später hatte "Centyeux" ganz klare Ansichten zum Thema "Schmuck"





    Les fleurs artificielles sont encore le genre de coëffure qui sied le mieux aux dames, qui épuise le moins la bourse des maris, et par conséquent le plus généralement adopté. Les diamans et les pierres précieuses ont bien aussi leurs charmes; mais n'en a pas qui veut, et souvent celle qui en porte, pleure en secret le moment où la fantaisie lui a pris de se faire si brillante. Aussi ne voit-on de diamans qu'aux femmes extrêmement opulentes, et à celles qui sont bien loin d'être. Les dames qui occupent un juste milieu dans la société ne veulent point d'une parure dont l'éclat les rendroit suspectes: dans un pays où tout brille de luxe et de toilette, elles ne peuvent s'en tenir raisonnablement à la simple nature; mais elles n'emploient l'artifice que pour les fleurs: artifice bien innocent et bien excusable, qui embellit leur figure sans porter atteinte à la pureté de leur ame.
    LE CENTYEX


Journal des Dames et des Modes No. 1 (Quinzième Année.) 5 Janvier, 1811.
Via Bunka Gakuen https://digital.bunka.ac.jp/kichosho/file/No.414/414-0015-003.jpg

Thursday, 10 June 2021

Danse du Schall

Wer hat nicht die Beschreibung von Nataschas Tanz in Tolstois "Krieg und Frieden" gelesen, und sich gewundert, was der Shawl-Tanz wäre, den sie in des Onkels Behausung hinter sich liess, und ganz in der russischen Musik aufging? 

Emma Hamilton, by Rehberg.
Curtesy of RMG https://collections.rmg.co.uk/collections/objects/107372.html


Über Jahre hinweg habe ich Hinweise gesammelt, Beschreibungen in Theaterstücken gelesen, Hinweise in Modejournalen und Zeitungen gefunden, ab und zu auch mal Musikstücke, immer mit der leisen Hoffnung, einen Hinweis auf eine Choreographie zu finden (ähnlich wie bei der Pas du Shawl in Raymonda, ein ganz eindeutig späteres Ballett)

Ich denke, was sich viele vorstellen, ist eine Art frühe Isadora Duncan, eine Mischung zwischen Ballett und Eurythmie, wie oben der Stich nach Rehberg, oder wie das Aquarell der Tänzerin Annette Köbler in der Sammlung des Rijksmuseums: 


 
Danseres Annette Köbler, de pas-de-shawl uitvoerende
http://hdl.handle.net/10934/RM0001.COLLECT.163137


Nun werde ich die Überraschung grad verderben - die Beschreibungen gehen auf die Attitüden der Lady Hamilton zurück, eine eigentliche Choreographie scheint zumindest für den Anfang nicht zu existieren. 
Lady Emma Hamilton hatte Zugang zur Umfangreichen Vasensammlung ihres Mannes, Sir William Hamilton (mehrere hundert, und hunderte bereits verkauft, aber auch katalogisiert und als Kupferstiche über ganz Europa verbreitet, Herzogin Anna Amalia von Weimar wie auch Fürst Franz von Dessau besassen Vasen aus der Sammlung des Ritters Hamilton, wenn man Böttiger Glauben schenken darf.)

Es klingt schlüssig, aber wird absolut augenscheinlich wenn man die Stiche nach Rehberg anschaut, die im RMG, dem Royal Museums Greenwich verwahrt werden.

Und dennoch - wenn man bedenkt dass Henriette Hendel später auch Schülerinnen in der Kunst der Pantomime unterrichtete, blieb die Hoffnung auf eine Choreographie, oder zumindest eine Empfehlung der Figurenabfolgen, doch selbst dies ist mir bislang nicht untergekommen.

Während ich für ein anderes Projekt, welches noch so manche Wendung und Irrung nehmen wird, ehe es zur Publikation kommt, auch immer wieder über Hinweise zum Danse du Schall oder dem Pas du Schall stolpere, dachte ich, ich amüsiere sowohl mich, wie auch die Leserinnen und Leser meines Blogs, und teile einige interessanten Entdeckungen, die ich im im Laufe der letzten Monate respektive Jahre gemacht und transkribiert habe:




Emma Hamilton, by Rehberg.
https://collections.rmg.co.uk/collections/objects/107369.html

Doch kommen wir nochmals auf Lady Hamilton zurück, und lassen doch am besten den guten Böttiger sprechen: 

"Mehr noch als auf alle diese Vasen ist der Ritter Hamilton auf den Besitz einer Gemahlin stolz, die durch das zaubervolle Wechselspiel ihrer Pantomime alles übertrifft, was je die geschicktesten Theaterkünstlerinnen in dieser Art schnell vorübergehender Darstellung zu leisten im Stande waren. [...] Man nennt in England, wo diese pantomimische Nachahmungskunst weit fleißiger geübt, und von den ersten Schauspielerinnen zuweilen in eigenen Vorstellungen auf das Theater gebracht werden, Imitations und von ihnen hatte auch Miß Heart [Emma Hamilton] ihre Kunst zuerst entlehnt. 
Im Umgange mit Hamilton zu Neapel suchte sie solche noch immer mehr zu vervollkommnen, und besonders auf die merkwürdigsten Darstellung gewisser durch ältere und neuere Kunstwerke berühmter Attitüden anzuwenden. Alles dieß ist ihr über alle Vorstellung gelungen, und wenn Hamilton seinen Freunden im scherzhaften Ton zweilen zu versichern pflegt, daß er in seiner Gemahlin alle schönen Statuen, die der schöpferische Meißel großer Bildhauer hervorgebracht hat, zusammen besitzte; so ist dieß für alle diejenigen, die selbst so glücklich waren, Augenzeugen dieses bezaubernden Pantomimenspiels zu seyn, etwas mehr als eine bloß scherzhafte Behauptung. Ihr Anzug, wenn sie vor einem auserlesenen Kreise ihrer Freunde diese Verwandlungen vornimmt, ist ein ganz einfaches langes weißes Gewand, unter der Brust mit einem kunstlosen Bande gegürtet, ganz wie die Tunika der Alten. "



Emma Hamilton by Rehberg
https://collections.rmg.co.uk/collections/objects/107375.html

"Ausser diesem hat sie nichts, als einen sehr weiten, freien indischen Schaul oder Schleier, den sie, so wie es die Beschaffenheit der jedesmal hervorzubringenden Attitüden fodert [sic], mit einer wunderbaren Behendigkeit und Geschicklichkeit bald lang von ihrem schönen Haar herabfließen, bald in dem schönsten Faltenwurf an diesen oder jenen Theil des Körpers sich anschließen, bald leicht flattern, bald nur die Füße bedecken läßt. Kurz, dies ist der Zaubermantel einer Fee, durch dessen meisterhaften und auf den malerischen Effekt berechneten Gebrauch sie eine unendliche Mannigfaltigkeit von Bekleidungen hervorzubringen versteht."




https://collections.rmg.co.uk/collections/objects/107370.html

"Das Vortheilhafte dieser Kleidung, sagt uns ein urtheilsfähiger Augenzeuge, welche ihre schlanke Gestalt nur leicht verhüllt; ihre langen Castanienbraunen Haare, die in einem Nu nach jeder Art von Stellung sich richten; die Gesichtszüge, welche jeden Ausdruck bestimmt zeichnen und durch eine leise Spannung festhalten; und endlich die Mannigfaltigkeit der Stellungen selbst, dieß alles formiert ein in seiner Art einziges Schauspiel."

Journal des Luxus und der Moden, Februar 1795 S. 77-79
https://zs.thulb.uni-jena.de/rsc/viewer/jportal_derivate_00252575/JLM_1795_H002_018_a.tif?logicalDiv=jportal_jparticle_00093557

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Aus Französischen Blättern.

Frau Baronin von Krüdner[sic], die geist- und gefühlvolle Verfasserin der Valerie, hatte durch die Beschreibung, die sie in diesem Romane von dem Shawl-Tanz der Lady Hamilton gab, in Paris allgemeine Neugier auf diesen Tag erweckt. Sie fand Gefallen daran, einige junge, schöne Freundinnen darin zu unterrichten, und bald gehörte es zum besten Ton, ihn tanzen zu können. Gardet hat das zu einem neuen Ballet benutzt: Une demi-heure de caprice ou la danse de Schall. Es soll sehr artige Scenen haben, aber im Ganzen mißfiel es, vorzüglich wegen seiner zu einfachen Musik. - Bei Gelegenheit dieses Ballets gesteht ein Franz. Kunstrichter, daß das Pariser Ballet in Rücksicht des eigentlichen pantomimischen Tanzes so weit zurück ist, daß man die Versuche in demselben gar nicht versteht, wenn sie nicht etwa von einer bekannten Melodie begleitet werden.

(Zweiter Jahrgang der beiden Zeitschriften: Der Freimüthige und Ernst und Scherz 1804- Herausgegeben von A.v. Kotzebue und G. Merkel, Berlin. S. 372 No 223, Donnerstag den 8. November )


La Baronne Juliane de Krüdener, par Angelika Kauffmann
via Wikimedia Commons

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DANSE DU SCHALL

Valérie demanda son schall, d'une mousseline bleu-foncé; elle écarta ses cheveux de dessus son front; elle mit son schall sur sa tête; il descendit le long de ses tempes, de ses épaules; son front se dessina à la manière antique, ses cheveux disparuent, son sourire habituel s'effaça peu-à-peu, sa tête s'inclina, son schall tomba mollement sur ses bras croisés sur sa poitrine; et ce vêtement bleu, cette figure douce et pure, sembloient avoir été dessinés par Le Corrège, pour exprimer la tranquille résignation; et quand ses yeux se relevèrent, que ses lèvres essayèrent un sourire, on eût dit voir, comme Shakespeare la peignit, la Patience souriant à la Douleur, auprès d'un monument. 
Ces attitudes différentes, qui peignent tantôt des situations terribles, et tantôt des situations attendrissantes, sont un langage éloquent puisé dans les mouvemens de l'ame et des passions. Quand elles sont représentées par des formes pures et antiques, que des physionomies expressives en relèvent le pouvoir, leur effet est inexprimable. Milady Hamilton, douée de ces avantages précieux, donna la première une idée de ce genre de danse vraiment dramatique, si l'on peut dire ainsi. Le schall, qui est en même tems si antique, si propre à être dessiné de tant de manières différentes, drape, voile, cache tour à tour la figure, et se prête aux plus séduisantes expressions.

Journal des Dames et des Modes (de Francfort) No 3, 16 Janvier 1804 , P 67/68


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La danse du Schall est en ce moment la danse à la mode, et mérite d'être connue: peu de gens la savent éxecuter encore. C'est une femme seule qui en forme toutes les figures avec ce fichu long appellé schall; la danseuse, pour produire plus d'effet, doit être toute vetue de blanc, et son schall doit être en aurore ou ponceau et de forme longue. C'est en le roulant autour d'elle, en le posant de diverses manières sur sa tête, en le mettant sur ses bras en harmonie avec diverses poses du corps que la danseuse retrace les antiques d'Herculanum; et voilà ce qu'on appelle la danse du Schall.

Journal des Dames et des Modes (de Francfort) No 7, 13 Février 1804 , P 180/181


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Plate 1117 1811, N4
Source: BNF Costume de Bal, Pas du Schall


Journal des Dames et des Modes, No. 4, 20 Janvier 1811, Gravure 1117
In der Ausgabe selbst wird nicht näher auf das Ballkleid eingegangen. 



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Korrespondenz Nachrichten, Paris, 20. Jan.
Während man allenthalben gegen die englischen Fabrikate

zu Felde zieht, ergreift der Kaiser alle Maßregeln, die in-

ländischen in Aufnahme zu bringen; so wurde neulich verord-

net, daß die Amtskleidung der Gerichtspersonen wie vormals
von Seide sey; auch bey Hofe wird man künftig nur in Sei-

de oder Sammet, nach der Jahreszeit, erscheinen können. Die

Einfuhr von Shawls, sie mögen wo immer herkommen, soll 

gänzlich verboten werden; eine Maßregel, wodurch die gegen-

wärtig in Frankreich befindlichen sehr im Preise steigen dür-

ten, wenn anders die Shawls nicht ganz außer Mode kom-

men. [...] Einstweilen werden die Shawls noch allgemein getragen,
und der Pas du Shawl noch auf allen feinern Bällen ge-
tanzt. Während in England nur die Hamilton und in
Deutschland nur Madame Händel mit einer Akademie
von Shawl-Gruppen das Publikum bezaubert, ist Paris
so glücklich Hunderte solcher Künstlerinnen zu besitzen. In
manchen Gruppen scheinen sie die Stellung der Niobe zu ko-
pieren, wo sie von den Pfeilen der Latona getroffen wird.


(Morgenblatt für gebildete Leser, 1811, S. 115, via Googlebooks)
https://books.google.ch/books?id=j0Y8AQAAIAAJ&printsec=frontcover&source=gbs_ge_summary_r&cad=0#v=onepage&q=Shawl&f=false


Anmerkung: Henriette Hendels Pantomimen wurden ebenfalls auf Kupferstichen festgehalten, und während einige der Posen wirklich gut erkennbar und direkt zuzuordnen sind - beispielsweise die Cassandra wie auch die Ariadne auf Naxos, so sind ihre Marien und italienischen Madonnen ein klares Zeichen, dass sich der Zeitgeschmack weg von der Klassik zu einem romantischen Bild verschiebt. 
https://www.worldcat.org/title/pantomimische-stellungen-von-henriette-hendel/oclc/251812180

Ich denke, ich werde Henriette Hendel in näherer Zukunft noch genauer vorstellen.

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[...]Corinne hat eine Sirenenstimme, und man bat sie zu singen; man fand eine Laute in dem Tempel, und sie entzückte die Gesellschaft, besonders aber die Männer. Man sprach, und Corinne erzählte mit unendlicher Anmuth; ihre Erzählung zog die Aufmerksamkeit aller Anwesender auf sich. Unter allen ihren Vollkommenheiten sind ihr Hals, ihre Arme, und ihre Hände ganz bewunderungswürdig. Sie tanzt den Pas de Schall zum entzücken. - Alle Männer kamen durch so viele Reize in Verzauberung; alle überhäuften diese beyden Damen mit den lächerlichsten Lobsprüchen; [...]


(Marie, oder, die Leiden der Liebe. Von Louis Bonaparte 1813.   https://books.google.ch/books?id=foZJAQAAMAAJ&dq=Shawl%20schall&pg=RA1-PA100#v=onepage&q=Shawl%20schall&f=false

Genau. Der Louis Bonaparte, der mit Hortense de Beauharnais verheiratet war, einer Frau die gemäss ihrer Zeitgenossen eine feinfühlige und gute Tänzerin war; und der als Ehemann in ihren Memoiren als eifersüchtiger Choleriker davonkommt. Ob wir hier etwas Einblick in seine eigene Gefühlswelt bekommen? 


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Das Instrument der Wahl, eine Shawl Pantomime zu begleiten war zumindest nach Steibelt die Harfe - vielleicht weil sie in der Vorstellung der Zeigenossen der Antiken Leier und Kithara am ehesten entsprach?


D. Steibelt's variation for the harp. 
via IMSLP

Leider hatte ich noch keinen Erfolg bei der Suche nach Madame de la Hante, der Dame, der die Partitur gewidmet ist - ob verwandt mit Jacques La Hante, dem wir einige Tanzpartituren in den 1760ern und 1770ern verdanken - da kann zum aktuellen Zeitpunkt nur mutmassen, aber nicht bestätigen, und hoffe, dass mir beim weiteren Stöbern und Suchen die mysteriöse Dame wieder unter die Augen kommt.
Ich vermute jemanden, den Steibelt inspirierte oder ihm nahestand, da im Journal de l'Empire lundi 2 mai1808 eine andere Publikation beworben wurde, auch diese Madame de la Hante gewidmet.



"Fantaisie avec neuf variations sur la walse russe, pour le forté-piano,
dédiée à madame de la Hante; par D. Steibelt.
Prix: 6 fr. , et 6fr. 50c. par la poste.
Chez Sieber et Erard, marchands de musique et d'instruments, rue
de la Loi, no 28, à la Flûte enchantée."



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    Aus Petersburg.

    Wir haben hier auf dem Französischen Theater zwei Vorstellungen von La Caravane de Caire, grand Opera-Ballet, musique de Gretry gehabt, avec tout son spectacle. Die Musik ist schön, des Spektakels viel, die Ausführung prachtvoll und das Ganze dennoch - etwas langweilig. Schwerlich wird sich diese Oper lange halten; - und wenn sie sich hält, so hat sie dies einzig und allein den lieblichen Tänzen zu verdanken, welche Didelot arrangiert hat. In der Scene, wo auf dem herrlichen Bazard von Corfinis Meisterpinsel, dem Pascha (Hrn. Mées) die Sklaven vorgstellt werden, tanzt zuerst Dem. Rose-Colinet ein Pas de Shawl ganz unvergleichlich. Die Attitüden und Drapperien dieser Künstlerin sind ganz das Werk der Grazien.

    (Zweiter Jahrgang der beiden Zeitschriften: Der Freimüthige und Ernst und Scherz 1804- Herausgegeben von A.v. Kotzebue und G. Merkel, Berlin. S. 460 No 245, Sonnabend den 8. December )

Anmerkung: Es mag dem modernen Leser helfen, wenn man weiss, dass Bühnentanz in der Zeit noch in drei Kategorien eingeteilt war: Danse Noble, Demi-caractère und Comique. Beispielsweise ist Marie Gardel wie auch Vestris als TänzerIn in der Kategorie "Demi-Caractère" zuhause, wo auch das Tanzen eines eines Pas de Schall, einer Pantomime mit Schawl eingeordnet wird.



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Einstweilige Konklusion: 
Es handelt sich beim Danse du Schall, der Pas de Schall, der Pantomime, der Attitüde immer um eine Vorführung. Sei es im privaten Raum zu Hause, sei es im Kreise ausgesuchter Kunstkenner, sei es auf der Opernbühne wie Eingangs Annette Köbler. Es ist kein partizipativer Tanz, dem sich andere Tänzer anschliessen können, wie die von uns so geliebten Contredanses. Ähnlich wie beim der Musik und dem Schauspiel, erstreckte sich das Spektrum der Fähigkeiten wohl von Liebhaberei und Dilettantismus im schönsten Sinne des Wortes zu professionellen Tänzerinnen, die auf den Opernbühnen der Grossstädte ihre Kunst zeigten.



Further Reading: 



Re: Gardel:  George Dorris (2003) The Age of Gardel, Dance Chronicle, 26:1, 101-105, DOI: 10.1081/DNC-120018853 T
https://doi.org/10.1081/DNC-120018853


Atelier Polonaise hat ebenfalls einen interessanten Artikel zum Danse du Schall verfasst, ich empfehle Google Translate für die Lektüre.
https://chiaranzana.blogspot.com/2016/03/la-danse-du-schall-czy-taniec-wyzwolony.html





Tuesday, 9 March 2021

Trouvaille du Jour - Non-seulement elles se serrent...

A translation of this paragraph has already been translated during the Journal Journey 1811 - I thought it might be interesting to share the original text - I came across it today again while reading up something else.
It is by Centyeux what translates for those readers unfamiliar with the Journal des Dames et des Modes - to be taken cum grano salis. But no smoke without fire...


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 On a beaucoup crié contre les corsets: et nos dames avoient non-seulement abandonné les corsets, mais, sans robe, sans fichu, elles alloient presque en chemise. De cet excès d'abandon, les femmes sont tombées dans un autre. Non-seulement elles se serrent, s'entourent de baleines et de buscs comme autrefois, mais les corsets du jour sont plus grands et plus forts que ceux d'autrefois. Un corset actuel presse non- seulement l'estomac, la taille, les épaules; mais entoure et comprime tout le buste de manière à ne permettre à la femme ainsi emmaillotée aucune espèce de movement. Que l'on envie à présent le sort de ces grandes dames dont la parure jette tant d'éclat! elles ne peuvent ni rire, ni manger, ni se baisser, ni se tourner. Que dis-je? elles peuvent à peine respirer. Le moindre soupir peut faire casser le cordon, et mettroit le désordre dans leur toilette: heureuses les bonnes femmes, les mères de famille, qui vivent tranquillement au sein de leur ménage: elles reçoivent, non pas les complimens des adulateurs, mais les caresses de leurs enfans, et vivent, la tête, l'esprit, le corps en liberté, et la conscience en repos.
    LE CENTYEUX

Journal des Dames et des Modes, No.4 (Quinzième Année.) 20 Janvier, 1811.

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I must say, I again am more than grateful for the counter-movement in the period, for tailors like J.S. Bernhardt, who kept a record of an alternative, and published it - and even more so to Sabine Schierhoff at "Kleidung um 1800", who woke J.S. Bernhardt from a deep archival slumber back in 2013, and wrote multiple articles, called "Schnürleibstudien" - and I am more than pleased to see more living history folks taking to them. (Wouldn't it be great if they'd all use #bernhardtstays so we could follow their projects on a simple hashtag?)

The list of articles - including an explanation of Bernhardts scaling method even I understand:

https://kleidungum1800.blogspot.com/2013/05/short-stays-studies-schnurleib-studien.html

https://kleidungum1800.blogspot.com/2014/05/short-stays-studies-schnurleib-studien.html

https://kleidungum1800.blogspot.com/2018/02/js-bernhardt-1790er-schnurleib-studien.html


I think many of us who sew owe Sabine a lot for having dug out that document and made it accessible to us, because I can say without reservation: It's the most comfortable corset I have, and I am sure even the severe Centyeux would approve of the form it gives, as well of the comfort this corset offers. (I use "Corset" here in the French meaning. I also like calling a fichu a fichu when referring to a french text and not a handkerchief. Yes, I am a terrible snob.)

If you think that this is just a German thing... I give you a two lines in the Journal des Dames et des Modes from 31 January 1811: 

Journal des Dames et de Modes, No. 6 (Quinzième Année.) 31. Janvier 1811
via gallica.bnf.fr

Isn't this something? I love how intertwined this period is, how sources and persons interact, and we stumble over them where we least expect them. 




Wednesday, 3 January 2018

Trouvaille du Jour - Perruques vs Titus 20 Vendémiaire, An XI

Eigentlich wollte ich für heute aufhören, als mich aus dem Jahr 11 diese Passage anspringt:

20 Vendémiaire An XI (12. Oktober 1802)
Source: BNF

Alle Perrückenmacher versichern uns, dass der Puder zurückkehren wird, alle Schneider sagen dasselben über bestickte Anzüge. Alle Hutmacher prophezeien die Rückkehr weisser Federn, die Waffenschmiede die des Degens; die Schuhmacher sagen, dass wir hohe hölzerne Absätze wieder annehmen werden, die Manufakturen sagen uns, dass man bald nur noch Samt und Seide tragen wird.
Und derweil sieht man mehr Titusköpfe (die Mehrzahl von Titus ist auf Deutsch etwas... zweideutig), mehr Fräcke denn je, mehr Stiefel als je zuvor. Kurz gesagt, man hat nie weniger Gala und mehr zwangslose Kleidung getragen.


Wir im 21. Jahrhundert können nun zurückblicken, und zumindest sagen: Die Seidenmanufakturen und die Habitstickerinnen waren nicht mehr lange ohne grosse Aufträge :-)

Tuesday, 2 January 2018

11 Nivôse An IX de la République - 1. Jänner 1801

Oder auch, ein neues Jahr gemeinsamer Spurensuche. Heuer durchforsten Sabine und meinereiner die Ausgaben von 1801 - bei mir sind es aber nach dem französischen Kalender die Jahre 9 und ein Stückerl vom 10.



Für mich nimmt es heuer noch eine weitere spannende Wendung.
Ich werde mich nicht wie gewohnt auf die BNF stützen können, sondern suche die Seiten in der Datei der Bunka Gakuen Library zusammen, ab März muss ich zudem selbst für die Scans sorgen, da ich gerne auch die Sammelausgabe der Frankfurter Kopie aus meiner Bibliothèque mit in den Vergleich einbeziehen möchte.

Die Transkription entspricht der Originalausgabe - d.h. in späteren Ausgaben kann es dabei durchaus zu einer Mischung zwischen Deutsch und Französisch kommen.
Übersetzungen fertige ich nach Lust & Laune, wenn mir die Zeit fehlt, dann wird halt nur die Transkription mit meinen Kommentaren veröffentlicht.
Die Auswahl der Artikel ist natürlich meine Sache, wenn es um Dinge geht, die mich nicht wirklich interessieren, halte ich mir vor, diese zu überspringen, der interessierten Leserschaft steht unten durch die Links der Originaltext zur Verfügung.

Und los geht es - wir starten nicht am Republikanischen Neujahr (was zur Herbst Tag-und Nachtgleiche wär), sondern ganz konservativ am 1. Januar 1801. Wie es der Zufall will, ist das der 11. Nivôse, damit wäre gestern die neue Ausgabe erschienen, und heute in meinem imaginären Postkasten zu finden.

Auf der Ersten Seite grad ein Artikel, der eine Jüngerin Terpsichores natürlich anspricht:


Des Queues

On peut remarquer avec surprise que l'excessive étendue des queues de robes subsiste, quoiqu'elle soit un obstacle à la facilité des mouvemens. Mais il n'est rien dont la grâce, l'adresse et la légérèté de nos belles ne parvienne à triompher. C'est même un spectacle assez curieux dans une walse générale, de voir les ondulations sinueuses de toutes ces étoffes sur le parquet de la salle, figurant aux yeux de l'observateur, le mouvement des vagues, d'un tourbillon rapide, et donnant aux danseuses l'air d'autant de nayades. Cependant les vrais principes de l'art charmant de Terpsichore finiront par interdire ces embarrassantes comètes qui entrainent avec elles toujours quelques inconvéniens. On s'apperçoit même déjà que plusieurs vêtements de bals se rapprochent des convenances à cet égard, et qu'il commence à s'introduire des robes rondes assez courtes sur le devant, pour laisser les danseuses jouir d'un avantage qui n'est pas sans mérite, celui de montrer une jolie chaussure et un pied délicat. On sait que le pied de la beauté n'est pas un des ses moindres moyens de plaire, et peut être, ne fut-ce que pour varier, seroit-il utile à ses intérêts d'être un peu plus économe des voiles de ce côté, et un peu moins vers les parties supérieures.


Wir bemerken mit Erstaunen, dass Kleider mit Schleppen immer noch in Mode sind, auch wenn dies noch so sehr der freien Bewegung hinderlich sind. Doch das ist Nichs im Vergleich zur Anmut und Leichtigkeit, mit der unsere Schönen diesem Hindernis trotzen. Es ist ein gar kurioses Spektakel, wenn während einem allgemeinen Walzer sich diese Wogen aus Stoff auf dem Parkett schlangengleich bewegen, der Betrachter sich an die Bewegung von Wasser gemahnt fühlt, und die Tänzerinnen Nayaden gleichen.
Nun doch, die wahren Verehrer Terpsichores charmanter Kunst wünschen nichts so sehr, wie diese störenden Kometen zu verbannen, man sieht sogar schon die ersten Ballkleider, die sich diesem Wunsche annährn, und die vorne kürzer geschnitten sind, um der Tänzerin diese Freiheit zu geben; dies hat einen weiteren Vorteil, erlaubt es doch den Blick auf einen hübschen Schuh und einen zarten Fuss. Es ist ja gemeinhin bekannt, dass der Fuss einer Schönen nicht ihr geringster Vorteil ist, und so kann es durchaus nicht von Nachteil sein, wenn dessen Schleier auch auf den Seiten ökonomischen Gedanken folgen müssten.

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Gefolgt von einem Artikel, der auch den Löwenanteil der Folgeseite einnimmt - eine überschwänglich begeisterte Annahme von Haydn's Schöpfung durch das Pariser Publikum, welches Unsummen für Karten ausgab (Seite 153/154)

THÉATRE DES ARTS - Il faut avoir vu l'Opéra, le 3, pour se faire une idée de l'éclat dont il brilloit. Tout ce que Paris renferme en jeunesse et beauté, s'y trouvoit réuni. Dès neuf heures du matin, la foule étoit aux bureaux. Un coupon de loge a été revendu 1200 fr. Une dame avoit loué pour ce seul jour, une garniture de diamans, 60 louis. C'étoit une fureur, il falloit entendre le fameux Oratorio d'Haydn. Rien, en effet, de plus imposant, de plus magnifique, rien qui réponde mieux au sujet sublime de la Création du monde, que cette belle composition musicale. Nous nous bornerons à dire qu'en concevant l'idée de faire chanter par les anges, les sept époques de la création, le compositeur s'est imposé la tâche de peindre par le chant, non seulement les mouvemens de chaque être, mais leur physionomie et presque leur caractère; et qu'il y a réussi plus que l'on ne peut se l'imaginer, même à l'égard des êtres inanimés, comme les eaux, les fleurs, etc. En un mot, les deux premières parties sont une succession non interrompue de tableaux très-variés, et qui offrent les effets les plus pittoresques. 
La troisième n'est que l'expression de la reconnoissance d'Adam et d'Eve. Elle semble, par consequent, être moins riche, et se rapproche peut-être trop, non pas pour la manière, mais pour l'intention, des chants d'action de grâce quel le compositeur fait executer par les choeurs celestes, à la fin de chaque journée. L'orchestre, par la manière savante dont il a été conduit, a prouvé qu'une réunion d'instrumens, quelque considerable qu'elle soit, peut laisser entendre les chanteurs, et ne faire sentir son nombre que dans les momens où le musicien a voulu produire de grands effets par la combinaison la plus savante des accords.

Man muss die Oper am 3. gesehen haben, um sich eine Vorstellung des dortigen Glanzes zu bekommen. Alle die in Paris schön und jung sind, haben sich dort versammelt. Ab neun Uhr morgens stürmte die Masse die Verkaufstellen, ein Platz in der Loge wurde zu 1200 francs verkauft. Eine Dame habe, nur für den einen Tag, sich eine Diamantengarniture zu 60 Louis geliehen! Es war ein Wahn, man musste das viel gerühmte Oratorium Haydns gehört haben.
Und nichts ist wahrlich beeindruckender, wunderbarer, nichts kommt dem wirklichen göttlichen Werk so gleich, der Schöpfung der Welt, wie diese wundervolle Komposition.
Wir beschränken uns, zu sagen, dass sich durch die Idee, die Engel singen zu lassen, und damit die sieben Tage der Schöpfung zu beschreiben, der Komponist die schwere Aufgabe auferlegt hat, mit Gesang Bilder entstehen zu lassen, und nicht nur die Bewegungen jeden Wesens, sondern auch deren Gestalt, ja ihren Charakter; und dies ist ihm besser gelungen, als man es sich nur vorstellen könnte, selbst bei unbelebten Objekten wie Wasser, Blumen etc.
In einem Wort - die ersten beiden Teile sind eine ununterbrochene Abfolge von abwechslungsreichen Bildern, die uns die anmutigsten Effekte offerieren.
Der dritte Teil beschäftigt sich nur mit der Erkenntnis von Adam und Eva, und scheint, im Vergleich weniger reich, und nähert sich vielleicht zu sehr an, nicht in ihrer Art, doch in der Absicht des Gnadengesangs, welche der Komponist durch himmlische Chöre am Schlusse jedes Tages erklingen lässt.
Das Orchester, welches geschickt und mit grossem Wissen geführt wurde, bewies dass sich auch ein so zahlreiches Mitglieder umfassendes Ensemble die Sänger hören lässt, und tritt nur in voller Anzahl in Erscheinung, wenn diese Wirkung durch den Musiker zum Besten bewusst produziert wird.


Dazu muss man noch anmerken, dass Haydns grosse Orchesterbesetzung, welche wir heute als "normal" empfinden, von der zeitgenössischen Besetzung abweicht.

Gefolgt von einem Artikel mit der Überschrift Théâtre de l'Opéra Comique - also der Opera buffo oder der komischen Oper - der sich der Aufführung von Bion von Méhul widmet, basierend auf Bion von Smyrna Βίων ὁ Σμυρναῖος. (einem bukolischen Dichter der griechischen Antike, dem man grossen Einfluss auf die grossen Dichter der Antike zuspricht, von dem jedoch kaum etwas erhalten ist)
Die Zusammenfassung der Handlung ist etwas verwirrend, auf den Zeitgeschmack zurecht getrimmt,  und da mich Theater aktuell nur am Rande interessiert, empfehle ich, selbst nachzulesen, bis ich dazu komme, mehr dazu zu schreiben.
Verfasst wurde die Oper aber von Etienne Méhul, einem der bekannten Revolutionskomponisten.
Für uns noch wichtig mitzunehmen - Die Oper wurde am 6. Nivôse mit grossem Erfolg aufgeführt, d.h. wir haben es hier mit einer hochaktuellen Rezension zu tun, und in Erwartung, dass nicht jeder Leserin und jedem Leser vergönnt ist, die Aufführung eines Stückes zu sehen, dem der Berichterstatter offenbar doch recht grosse Wellen hervorsagt, wurde das Libretto en Détail im Artikel erläutert.

Gefolgt von einer Rezension der aktuellen Produktion La Martingalle im Théâtre des Troubadours, von dem ein Couplet komplett abgedruckt wurde (es geht in dem Stück ums Glücksspiel, und um die "absolut sichere Methode", in der Form einer Vaudeville Glosse mit Arlequin, Columbina und den ganzen anderen leichten Charakteren, die diese Lustspiele so auszeichnen
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Und nun kommen wir zu einer interessanten und langen Passage - Le mérite des femmes von G. Legouvé. Im aktuellen (1801) sozialen Klima ist dies besonders spannend, da wir in den letzten 10 Jahren ein Ringen um Gleichberechtigung miterleben. In unseren heutigen Augen ist der Auszug recht einseitig, und lobt Schönheit, Talent, die Mutterschaft - aber auch den modernen Vater, dem die moderne Frau nicht nur Geliebte sein soll, sondern auch Freundin. Und dass der Mann dies gefälligst zu schätzen lernen habe.

Der Abschnitt schliesst nach beinahe zweieinhalb Seiten mit:

La femme a nourri notre enfance, guidé nos premiers pas, enflammé notre jeunesse, elle embellit encore nos derniers jours. Que pourroient opposer les ennemis du sexe aux traits que le poëte leur a présentés. Les portraits de plusieurs femmes dont la honte ne tombe que sur elles; car, comme dit l'auteur, jugea-t-on jamais les rois sur les Tibères?

Les femmes, dût s'en plaindre une maligne envie,
Sont ces fleurs, ornement du désert de la vie.
Reviens de ton erreur, toi qui peux les flétrir:
Sache les respecter autant que les chérir;
Et, si la voix du sang n'est point une chimère,
Tombe aux pieds de ce sexe à qui tu dois ta mère.



Die Frauen, über die man sich bösartig das Maul zerreisst,
Sind die Blumen in der Wüste des Lebens,
Widerrufe deine Fehler, Du, der sie vertrocknen lässt.
Lerne sie ebenso zu respektieren, wie verehren,
Und wenn das Band des Blutes nicht nur ein Luftgespinst ist,
Dann fall zu Füssen dem Geschlecht, welchem Du Deine Mutter verdankst.

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Und wie erklärt man einer Frau, dass man sie für schöner als selbst Venus hält? Mit einigen simplen Versen, in denen Venus im Wettstreit mit Juno und Minerva unterliegt, wenn denn Elise bei Paris' Urteil auch anwesend gewesen wäre ;-)

snipped from Bunka Gakuen
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EXPLICATIONS DE LA GRAVURE, No. 269

Rose et capucine sont, après le blanc, les couleurs les plus ordinaires des capotes. On fait toujours des chapeaux de velours noir, mais pour la demi-parure seulement. On voit quelques chapeaux de velours ponceau, quelques autres en velours chiné. Les rubans sont toujours peluchés.
Le 3 à l'Opéra, on a remarqué des coëffures en cheveux à la Cérès, ayant en devant deux gerbes d'épis d'argent ou d'or, réunies en diadème. - Des réseaux à la Circassienne, en fil d'argent, larges derrière et revenant en pointes très étroites se nouer au dessus du front. - Des rûches de satin, ou de crêpe, préparées par les modistes pour recevoir de la main du coëffeur, la forme des coëffures à l'antique. - Des croissans, des diadèmes, des aigrettes de diamans à plusieurs branches.
Presque toutes les robes étoient coupée à la turque et garnies de clinquant. Quelques-unes étoient en satin blanc ou rose; un très-grand nombre étoit en crêpe blanc ou noir; sur quelques-unes brilloit une pluie de jais ou d'acier. Les capotes avoient, en devant, trois plumes blanches, ou un esprit. OU ne voyoit ni chapeaux noirs ni voiles: Quelques fichus de crêpe noir ou ponceau, imitoient le turban. 
Nous avons entre les mains des graveurs trois costumes pris dans cette brillante réunion.

Erklärung des Modekupfers No 269

Rose und Capucines (ein helles Rosenrot und ein orangerot mit einem Hauch von Rosa) sind nach Weiss, die geläufigsten Farben für Kapotten. Man fertigt immer noch Hüte von schwarzem Samt, doch nur demi-parure. Man sieht ebenso Ponceaufarbenen (Mohnrot) Hüte, andere in chiné velours, Die Bänder sind immer plüschig.

Am 3. in der Oper konnte man Frisuren à la Ceres bewundern, welche vorne mit zwei Garben Kornähren aus Silber oder Gold, geschmückt waren, die sich zum Diadem formen. Auh sieht man Netze à la Circassienne, aus Silberfaden. Hinten weit, so werden sie nach vorn hin schmäler und werden in kleinen Spitzen auf dem Stirn geknotet. Rüschen aus Satin, gefertigt von Modistinnen, wandern in die Hände der Coiffeure, für Frisuren nach Antiker Art. 
Eben so Halbmonde, Diademe, Diamantenaigretten mit mehreren Zweigen.
Beinahe alle Roben waren nach türkischer Art geschnitten, und aufs glitzerndste garniert. Einige waren aus rosa oder weissem Satin, eine grosse Anzahl in schwarzem oder weissem Crêpe, auf einigen schillerte ein Schauer von Gagat (Jet) oder geschnittenem Stahl.
Die Kapotten hatten vorne drei weisse Federn, oder auch einen Esprit. Man sah weder schwarze Hüte noch Schleier, nur einige Fichus aus schwarzem oder Ponceau Crêpe, welche Turbane imitierten.
Wir halten drei Kupfer in den Händen, die während dieser glänzenden Veranstaltung gezeichnet wurden. (Anmerkung: Und die wir wahrscheinlich erst in den nächsten Ausgaben zu sehen bekommen…)



Als Nachtrag der modernen Person: Ich persönlich finde es erstaunlich, dass mehr als eine Woche nach dem Attentat in der Rue Saint-Nicais (3 Nivôse), dem Datum auf welches sich der Modebericht bezieht, kein Wort über den Anschlag verloren wird, und man sich hingegen in Details der Toiletten und Accessoires ergeht.

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Enigme - das Rätselspiel, verfasst von einer Abonnentin / einem Abonennten in Bruges / Brügge.
Da es ziemlich witzlos ist, dies auf Deutsch zu übersetzen, lasse ich es auf französisch...
Donc - comme c'est fort inutile de le traduire en allemand, je le laisse en français - je suis curieuse qui savent le déduire de mes lectrices et lecteurs.

Snipped from page 160 Bunka Gakuen 

Also - bis zur nächsten Ausgabe, bonne lecture, et bonne année!


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Links zur besprochenen Ausgabe, No 20, 5tes Jahr der Zeitschrift:
http://digital.bunka.ac.jp/kichosho/file/No.414/414-0005-036.jpg - Titelseite 10 Nivôse An9: Leitartikel "Schleppen", sowie Theaterbesprechung Théâtre des Arts zu Haydns Schöpfung.
http://digital.bunka.ac.jp/kichosho/file/No.414/414-0005-037.jpg - Folgeseiten 154/155: Opéra: Kritik Haydns Schöpfung, Opéra Comique: Bion von Méhul, Théâtre de Troubadours, La Martingalle
http://digital.bunka.ac.jp/kichosho/file/No.414/414-0005-038.jpg - Folgeseiten 156/157 - Ende des Couplets von Martingalle / Le mérite des femmes
http://digital.bunka.ac.jp/kichosho/file/No.414/414-0005-039.jpg - Folgeseiten 158/159 - Ende des Le mérite des femmes, A Elise, Dialog, Explication de la Gravure 269
http://digital.bunka.ac.jp/kichosho/file/No.414/414-0005-040.jpg - Letzte Seite 160 - Beschreibung der Gravure, Rätsel & Impressum /  Titel der nächsten Ausgabe:



Wednesday, 27 December 2017

Les problèmes d'une elegante... trouver le look avec un chapeau

Man könnte doch denken, mit einem schönen Hut und einem netten gut genähten Kleid ergibt sich der Look von allein.

Doch weit gefehlt. Vor ca. Eineinhalb Jahren habe ich viel Glück gehabt, und Charos Prototyp des V& A Nautilus erstehen können. Diese Hutform hat es mir schon seit langem angetan, aber mein kläglicher Beginn ist immer noch in demselben Bastelstadium, in dem er vor 5 Jahren stehengeblieben ist.

Die Originalvorlage aus dem V&A

V&A Museum. ca 1805 silk & straw bonnet Museum No T.81-1963


Ein Beispiel eines gemalten Muschelhuts aus dem Journal des Dames et des Modes
Chapeau peint en Coquille
https://www.rijksmuseum.nl/nl/collectie/RP-P-2009-2314

Nun, dank Charo musste ich nicht mehr selbst nähen, doch musste ich lernen, ihn gut zu kombinieren, denn zu Anfang hat der Hut mich spazierengetragen, nun bin ich es, die den Ton angibt.

Der erste Ausflug - in Lucca 2016. Nicht schlecht, aber hatte etwas von Hausmütterchen auf dem Nachmittagsspaziergang.




Doch je länger man einen Hut besitzt, desto mehr hat man Gelegenheit, ihn gut zu kombinieren. Und wie so oft, war es das elegante "Kleine Weisse", was mit dem Hut am Besten funktioniert.




Links:
Charo Palacios Atelier Angelica Absenta: http://www.aabsenta.com/
Further Reading: http://www.vam.ac.uk/blog/network/jane-austen-style

Thursday, 20 October 2016

Trouvaille: Mlle Chevigny



There is woeful little information, though had a rather long career (especially if compared with the tragic end of young Mlle Chameroy), but maybe that is the reason why she was less celebrated later in life than Mlle Chameroy was in death? 

Contemporary reviews are very favourable though, as much as the poem what opens this post is flattering, though apart from two costume sketches I couldn't find any other picture of the celebrated dancer turned actress. The poem refers of her return, apparently she was absent from the stage due to illness, and returned two years later, of a slightly fuller figure, what removed her from the dancers limelight towards acting.

Costume sketches of the ballet the Le Retour d'Ulysse, (Return of Ulysses) in 1807 (You can read a review in English here). The last figure on the first picture is Eurydée, the wet nurse of Penelope who recognises Ulysses, the role performed by Mlle Chevigny, for what she earned much praise.
On the right, Mlle Chevigny in the role of Eurydée

Just because Berthélémy's drawings are so nice, a second one. Not picturing Mlle Chevigny
Details & source: 

Titre :  
[Le retour d'Ulysse : trois pl. de costumes / par Jean-Simon Berthélémy] 
Auteur :  
Berthélémy, Jean-Simon (1743-1811). Dessinateur 
Date d'édition :  
1807 
Identifiant :  
Source :  
Bibliothèque nationale de France, département Bibliothèque-musée de l'opéra, D216-2 (4-6) 
Relation :  
Le retour d'Ulysse : ballet héroïque en trois actes / chorégraphie et argument de Louis Milon. - Paris : Théâtre de l'Opéra-Montansier, 27-02-1807 
Relation : 
Provenance :  
Bibliothèque nationale de France 

And of L'enfant prodigue, (the prodigal son) the second figure from the left

The second from the left, in yellow tunic



























Titre :  
[L'enfant prodigue : trois pl. de costumes / par François-Guillaume Ménageot] 
Auteur :  
Ménageot, François-Guillaume (1744-1816). Dessinateur 
Date d'édition :  
1812 
Identifiant :  
Source :  
Bibliothèque nationale de France, département Bibliothèque-musée de l'opéra, D216-3 (10-12) 
Relation :  
L'enfant prodigue : ballet-pantomime en trois actes / décors de Jean-Baptiste Isabey. - Paris : Théâtre de l'Opéra-Montansier, 28-04-1812 
Relation : 
Provenance :  
Bibliothèque nationale de France