Friday, 2 February 2018

Eine heisse Reischokolade 1801

Manchmal macht man Glücksgriffe in der Gelegenheitskiste bei M Thierstein, wo sich mancher einzelne Band finden lässt, wie beispielsweise meine Kleist Ausgabe von 1790.

So auch der "Zweyte Band einer Sammlung nüzlicher und bewährter Beyträge zum Besten der Stadt-Haus- und Landwirtschaft, der Gärtnerey, des Jagd- und Forstwesens und der Technologie" von 1801.


Photo: A. Reeves 2018

Wie alle Neuerwerbungen aus dem Antiquariat wanderte der Band erst einmal (in Folie verpackt) in das Gefrierfach, aber beim ersten Schmökern vor dem Einpacken stolperte ich über etwas Spannendes. Ein Rezept zu dem sogenannten Content, oder Reischokolade.


Photo: A. Reeves 2018

Was also macht man, wenn man grad von einer bösen Migräne heilt? Man mischt sich eine Chokolade.
Die Zutaten sind im Original im Mörser zu zerstossen, doch da wir mitten im Umzugschaos sind, hab ich mir die Zusatzarbeit gespart, und direkt zu gemahlenen Inhaltsstoffen gegriffen (Mit Ausnahme des Pfeffers und der Nelken, die frisch zerstossen wurden).

Kakao, Vollkornreismehl, Reisstärke, Staubzucker, Gewürze
Photo: A. Reeves 2018

Die Zutaten werden gesiebt und gemischt, und es sieht schon sehr bald 



Die Zubereitung hingegen ist etwas "abentheuerlich" - 1 Loth auf einen Chokoladenbecher*, und länger kochen als gewöhnliche Schokolade. Nur... wie gross ist eine übliche Schokoladentasse? Und womit rührt man das an? Milch? Wasser? Und wielange koch ich gewöhnliche Schokolade?

In Ermangelung einer Schokoladentasse habe ich auf eine Kaffeetasse zurückgegriffen, die 
ca 1.5dl fasst. Frei nach - wenn es misslingt, dann ist nicht zuviel verschwendet worden.
Der erste Anlauf, 1 gestrichener EL auf 1 Tasse Wasser:
1 gestrichener EL Content auf 1 Tasse Wasser.
Wie dicker Espresso, und hinterlässt ein ähnliches Trinkgefühl
Photo: A. Reeves 2018
Der erste Versuch war nicht schlecht, nicht wirklich süss, etwas fade, um es ehrlich zu sagen.

Der zweite Versuch: Zwei EL auf eine Tasse Reis-Mandelgetränk.
Mehr aus Versehen als Absicht hat die Mixtur einmal aufgekocht. Es begann, nach Gewürzen zu duften, während ich hektisch mit dem Schneebesen rührte.
Das Resultat war eine wunderbar dicke heisse Schokolade, eher ein Pudding, wie wir sie aus Italien kennen. Wunderbar!

Die Pudding-Chocolade*
Photo A. Reeves 2018

Mittlerweile hab ich mit einem gehäuften EL pro 1.5dl eine flüssigere, aber immer noch cremige Schokolade* fabriziert, welche bei uns nun doch etwas öfters aufgetischt wird :-)


*Da es mich immer wieder amüsiert, wenn verschiedene Schreibweisen unterschiedlich verwendet werden, erlaube ich mir dasselbe :-)

Friday, 5 January 2018

15 Nivôse An IX - Numéro 21 - oder der 5. Jänner 1801

Snipped from Bunka Gakuen page 161 

Und wir legen erst mal mit kleinen Vorhersagen & Aussichen aus der Stadt los, welche sich etwas belanglos aneinanderreihen. Für uns nehmen wir aber mit, dass sich der Autor über die neue Hutmode - Früchte statt Blumen auf die Hüte zu packen, etwas lächerlich fand. (Seite 161 und 162)


Des chapeaux garnis de fruits, remplaceront les chapeaux de fleurs, et rien ne sera plus ordinaire que de voir une femme porter sur sa tête des poires, des pêches, des ananas.

Hüte, welche mit Früchten garniert sind, ersetzen die Blumenhüte, und es ist nichts alltäglicher, als eine Frau auf ihrem Kopf Birnen, Pfirsiche und Ananas herumtragen zu sehen

Ebenso ist die Hutgrösse ein Thema:

Les bonnets de femmes, à raison de leur envergure, exciteront une rumeur au spectacle; un étourdi s'avisera de leur crier, chapeau bas, parce qu'elles masquent la vue des spectateurs; ou s'escrimera en paroles, et le sexe gagnera, l'amabilité devant l'emporter sur la raison.

Damenhauben haben im Theater auf Grund ihrer Grösse doch einigen Aufruhr verursacht. Ein unbesonnener Mensch erdreistete sich "Ab mit den Hüten!" zu rufen, da sie die Sicht anderer Besucher versperrten. Man erging sich in Geschrei, und Schluss gewann die Liebenswürdigkeit über die Vernunft. 

Bleibt abzuwarten, was sich davon heuer alles bewahrheitet.

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Gefolgt von den Rezensionen aus dem Vaudeville und der Opéra Comique.

Wie halb zu erwarten war, haben beide Parodien auf Haydn's Schöpfung aufgelegt, im Vaudeville war grosser Andrang, doch blieb die Glosse "La Récréation du monde" hinter den Erwartungen zurück. (Seiten 162/163)

War Haydns Schöpfung (Französisch: Création) ein unbestrittenes Meisterwerk, so wurde es doch konzertant aufgeführt.
Das Vaudeville präsentierte ihren Adam "in naturalibus" - Eva "un peu plus gazée" (also mit etwas mehr Gaze bedeckt), Uriel als Libertin, und die Gschicht endet, dass sie sich der Récréation hingeben (also auf der Bühne eine heisse Nummer simulieren).

Amüsant ist natürlich noch Spitze gegen das Opernhaus (man erinnere sich an die Kartenpreise)

Si notre Récréation
Ne vaut pas la Création;
Du moins, dans cette occasion,
Nous n'avons pas doublé les places.


Wenn unsere Neuschöpfung schon nicht an die Schöpfung heranreicht, so haben wir wenigstens an dieser Stelle nicht die Plätze (Preise) verdoppelt.


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In der Opéra Comique ging es nicht viel besser zu, auch sie wollten auf der Welles des Erfolges der Schöpfung mitreiten, und es gibt eine neue Glosse von Citoyen Vieillard mit einem maliziösen Arlequin als Schlange, einer ebenso dummen wie schönen Eva, einem depperten Adam, einigen bösartig lästerlichen Couplets. Also seichte Unterhaltung, die aber offensichtlich gut aufgenommen wurde. (Seite 164 und etwas auf Seite 165)
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Von Seite 165 bis Seite 168 wird einem lieben Freund von mir aus der Seele sprechen "Je ne peux souffrir vos capotes, faites en vrais cuillers à pot [...] J'aimois mieux vos colimaçons où le ruban et la dentelle, se poursuivant à reculons,[...]"

Snipped from page 167

Da ergeht sich auf dreieinhalb Seiten (und das ist nur die Kurzfassung, das ganze Gedicht hat 156 Seiten...) Ph. Quenard in seinem Gedicht LES DAMES über die neuen Moden.

Ce poëme est d'une gaité qui approche du burlesque. Dans le premier chant, l'auteur examine en quoi consiste la beauté; dans le second, il passe en revue différens genres de costumes; un censeur dans le troisième, parle du beau sexe avec humeur.
L'auteur, dans le quatrième, répond d'une manière aussi victorieuse que galante.

Dieses Gedicht ist so heiter, dass es beinahe eine Posse ist. Im ersten Gesang untersucht der Dichter, was eigentlich Schönheit ist; im zweiten lässt er verschiedene Kleidungstile Revue passieren, wird zum Zensor im Dritten, spricht mit Humor über das schöne Geschlecht. 



Und antwortet dann im vierten Teil ebenso siegreich wie galant.


Snipped from page 166 & 167
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Explication des Gravures, Nos. 270 et 271.

On donne à toutes les capotes une forme oblongue, qui tient de la coëffure antique: la plupart sont roses. Les chapeaux peluchés ont été remplacés par des chapeaux d'effilé de soie, qui, sans doute, auront une plus longue durée, parce qu'ils sont mieux faits. Dans le négligé, on porte toujours des toquets: les plus nouveaux sont de forme ronde, en point d'Angleterre, et paroissent être sans couture. Les spencers sont ou noirs ou bleus, en drap ou en velours. Le jais actuellement en vogue est en grains longs. On a substitué, aux applications de velours, des rubans, satins et velours, des différens dessins. Parmi les bijoux nouveaux, on remarque des sautoirs d'or, à maille tricotées, dont un bout est figuré en tête de serpent.

Man gibt sämtlichen Hüten eine ovale Form, die an Antike Coiffuren gemahnt, der Grossteil ist Rosa. Die Hüte aus Plüsch sind durch Seidengewebe ersetzt, welche zweifellos eine längere Lebensdauer haben, da sie besser gefertigt sind. 
Zum Morgenanzug trägt man immer noch Toquets (Hauben, ohne feste Bestandteile), die neuen in runder Form, aus Englischer Spitze, und scheinbar ohne Naht.
Die Spencer sind entweder schwarz oder blau, aus Tuch (Wolltuch) oder Samt. Der modische Gagat (Jet) ist länglich geschnitten. Applikationen aus Samt wurden durch Bänder aus Satin oder Samt in verschiedenen Mustern ersetzt. Unter den neuen Schmuckstücken fallen besonders Sautoirs (lange Halsketten) aus einem goldenen Maschengestrick auf, wobei ein Ende als Schlangenkopf gestaltet ist.

http://www.lesartsdecoratifs.fr/francais/bibliotheque/
Toquet Rond, Brodé, Spencer de Drap - gestickte runde Haube, Spencer aus Wolltuch
Wir dürfen auch heute nicht vergessen, dass jeder einzelne Kupfer, den wir sehen, einst individuell gedruckt und koloriert wurde. Ich vergleiche gerne die verschiedenen Versionen - hier eine Variante die ich vor Urzeiten einst auf Pinterest gefunden und gespeichert hab: Die Toquet ist besser zu sehen,
Found on Pinterest

Toquet Rond, Brodé, Spencer de Drap - gestickte runde Haube, Spencer aus Wolltuch

http://www.lesartsdecoratifs.fr/francais/bibliotheque/

Demi-Turban, Spencer sans Revers - halber Turban, Spencer ohne Aufschläge (Revers)

Zu den genannten Sautoirs habe ich noch etwas Nettes aus dem Bernerischen Historischen Museum - BHM. Zugegeben, die Schmuckstücke sind auf 1822 datiert, doch geben sie uns einen Eindruck der Schlangensautoirs:
Photo: A. Reeves 2017

Photo: A Reeves 2017

Information des Museums (von der Vitrinenkarte abgeschrieben):
Der Berner Schultheiss Niklaus Rudolf von Wattenwyl ist einer der beiden Berner Vertreter an der Tagsatzung von Zürich im Jahr 1822. 
Er schenkt den Schmuck seiner Gastgeberin Anna Maria von Escher. 
Die politische Wirkung der Tagsatzungen während der Restauration ist weniger glanzvoll.
Historisches Museum Bern; Inv. 57650.1-3


Links zur Ausgabe 21

http://digital.bunka.ac.jp/kichosho/file/No.414/414-0005-044.jpg - Seite 168 und Titelblatt der nächsten Ausgabe

So, das war es für heute, die nächste Ausgabe sollte in 5 Tagen ins Haus flattern :-)
Ah- et preque oublié: La solution de l'Enigme:




Wednesday, 3 January 2018

Trouvaille du Jour - Perruques vs Titus 20 Vendémiaire, An XI

Eigentlich wollte ich für heute aufhören, als mich aus dem Jahr 11 diese Passage anspringt:

20 Vendémiaire An XI (12. Oktober 1802)
Source: BNF

Alle Perrückenmacher versichern uns, dass der Puder zurückkehren wird, alle Schneider sagen dasselben über bestickte Anzüge. Alle Hutmacher prophezeien die Rückkehr weisser Federn, die Waffenschmiede die des Degens; die Schuhmacher sagen, dass wir hohe hölzerne Absätze wieder annehmen werden, die Manufakturen sagen uns, dass man bald nur noch Samt und Seide tragen wird.
Und derweil sieht man mehr Titusköpfe (die Mehrzahl von Titus ist auf Deutsch etwas... zweideutig), mehr Fräcke denn je, mehr Stiefel als je zuvor. Kurz gesagt, man hat nie weniger Gala und mehr zwangslose Kleidung getragen.


Wir im 21. Jahrhundert können nun zurückblicken, und zumindest sagen: Die Seidenmanufakturen und die Habitstickerinnen waren nicht mehr lange ohne grosse Aufträge :-)

Haydns Schöpfung

Nachtrag:

Wie wir grad in No 20 die begeisterte Kritik lesen konnten, so musste sich mancher Zeitgenosse danach gesehnt haben, diese Engelsmusik doch selbst hören zu können.
Was können wir uns heute doch glücklich schätzen, diese Klänge mittels einiger wenigen Mausklicks abrufen zu können.

Eine der für mich schönsten Aufnahmen ist die von Les Arts Florissants.
Hier der Link zu Spotify:
https://open.spotify.com/album/2AUIXVX1rdEAw7yaXBXMsI

Haydn bedarf eigentlich kaum mehr der Vorstellung, doch wenn jemand mehr über ihn lesen möchte, dem empfehle ich doch, hier zu beginnen: https://de.wikipedia.org/wiki/Joseph_Haydn 

Die Schöpfung wurde in geschlossener Gesellschaft, doch mit viel Aufruhr im Palais Schwarzenberg in Wien am 29. April 1798 Uraufgeführt, und nach einigen Korrekturen am 19. März 1799 im alten Burgtheater der Öffentlichkeit vorgestellt. Am 3. November wurde in Lille die französische Fassung aufgeführt, und von da bis zu unserer Ausgabe im Januar 1801 und dem beschriebenen Hype sind es nur noch Wochen. 

Uns 1800 Grüblern bleibt sicherlich die Pariser Uraufführung vom 24. Dezember 1800 - dem 3 Nivôse An 9 - in Erinnerung. Weniger durch die Musik, sondern durch das Attentat in der Rue Saint-Nicaise, welches 22 Menschen das Leben kostete, und den 1. Konsul nur knapp verfehlte.

Tuesday, 2 January 2018

11 Nivôse An IX de la République - 1. Jänner 1801

Oder auch, ein neues Jahr gemeinsamer Spurensuche. Heuer durchforsten Sabine und meinereiner die Ausgaben von 1801 - bei mir sind es aber nach dem französischen Kalender die Jahre 9 und ein Stückerl vom 10.



Für mich nimmt es heuer noch eine weitere spannende Wendung.
Ich werde mich nicht wie gewohnt auf die BNF stützen können, sondern suche die Seiten in der Datei der Bunka Gakuen Library zusammen, ab März muss ich zudem selbst für die Scans sorgen, da ich gerne auch die Sammelausgabe der Frankfurter Kopie aus meiner Bibliothèque mit in den Vergleich einbeziehen möchte.

Die Transkription entspricht der Originalausgabe - d.h. in späteren Ausgaben kann es dabei durchaus zu einer Mischung zwischen Deutsch und Französisch kommen.
Übersetzungen fertige ich nach Lust & Laune, wenn mir die Zeit fehlt, dann wird halt nur die Transkription mit meinen Kommentaren veröffentlicht.
Die Auswahl der Artikel ist natürlich meine Sache, wenn es um Dinge geht, die mich nicht wirklich interessieren, halte ich mir vor, diese zu überspringen, der interessierten Leserschaft steht unten durch die Links der Originaltext zur Verfügung.

Und los geht es - wir starten nicht am Republikanischen Neujahr (was zur Herbst Tag-und Nachtgleiche wär), sondern ganz konservativ am 1. Januar 1801. Wie es der Zufall will, ist das der 11. Nivôse, damit wäre gestern die neue Ausgabe erschienen, und heute in meinem imaginären Postkasten zu finden.

Auf der Ersten Seite grad ein Artikel, der eine Jüngerin Terpsichores natürlich anspricht:


Des Queues

On peut remarquer avec surprise que l'excessive étendue des queues de robes subsiste, quoiqu'elle soit un obstacle à la facilité des mouvemens. Mais il n'est rien dont la grâce, l'adresse et la légérèté de nos belles ne parvienne à triompher. C'est même un spectacle assez curieux dans une walse générale, de voir les ondulations sinueuses de toutes ces étoffes sur le parquet de la salle, figurant aux yeux de l'observateur, le mouvement des vagues, d'un tourbillon rapide, et donnant aux danseuses l'air d'autant de nayades. Cependant les vrais principes de l'art charmant de Terpsichore finiront par interdire ces embarrassantes comètes qui entrainent avec elles toujours quelques inconvéniens. On s'apperçoit même déjà que plusieurs vêtements de bals se rapprochent des convenances à cet égard, et qu'il commence à s'introduire des robes rondes assez courtes sur le devant, pour laisser les danseuses jouir d'un avantage qui n'est pas sans mérite, celui de montrer une jolie chaussure et un pied délicat. On sait que le pied de la beauté n'est pas un des ses moindres moyens de plaire, et peut être, ne fut-ce que pour varier, seroit-il utile à ses intérêts d'être un peu plus économe des voiles de ce côté, et un peu moins vers les parties supérieures.


Wir bemerken mit Erstaunen, dass Kleider mit Schleppen immer noch in Mode sind, auch wenn dies noch so sehr der freien Bewegung hinderlich sind. Doch das ist Nichs im Vergleich zur Anmut und Leichtigkeit, mit der unsere Schönen diesem Hindernis trotzen. Es ist ein gar kurioses Spektakel, wenn während einem allgemeinen Walzer sich diese Wogen aus Stoff auf dem Parkett schlangengleich bewegen, der Betrachter sich an die Bewegung von Wasser gemahnt fühlt, und die Tänzerinnen Nayaden gleichen.
Nun doch, die wahren Verehrer Terpsichores charmanter Kunst wünschen nichts so sehr, wie diese störenden Kometen zu verbannen, man sieht sogar schon die ersten Ballkleider, die sich diesem Wunsche annährn, und die vorne kürzer geschnitten sind, um der Tänzerin diese Freiheit zu geben; dies hat einen weiteren Vorteil, erlaubt es doch den Blick auf einen hübschen Schuh und einen zarten Fuss. Es ist ja gemeinhin bekannt, dass der Fuss einer Schönen nicht ihr geringster Vorteil ist, und so kann es durchaus nicht von Nachteil sein, wenn dessen Schleier auch auf den Seiten ökonomischen Gedanken folgen müssten.

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Gefolgt von einem Artikel, der auch den Löwenanteil der Folgeseite einnimmt - eine überschwänglich begeisterte Annahme von Haydn's Schöpfung durch das Pariser Publikum, welches Unsummen für Karten ausgab (Seite 153/154)

THÉATRE DES ARTS - Il faut avoir vu l'Opéra, le 3, pour se faire une idée de l'éclat dont il brilloit. Tout ce que Paris renferme en jeunesse et beauté, s'y trouvoit réuni. Dès neuf heures du matin, la foule étoit aux bureaux. Un coupon de loge a été revendu 1200 fr. Une dame avoit loué pour ce seul jour, une garniture de diamans, 60 louis. C'étoit une fureur, il falloit entendre le fameux Oratorio d'Haydn. Rien, en effet, de plus imposant, de plus magnifique, rien qui réponde mieux au sujet sublime de la Création du monde, que cette belle composition musicale. Nous nous bornerons à dire qu'en concevant l'idée de faire chanter par les anges, les sept époques de la création, le compositeur s'est imposé la tâche de peindre par le chant, non seulement les mouvemens de chaque être, mais leur physionomie et presque leur caractère; et qu'il y a réussi plus que l'on ne peut se l'imaginer, même à l'égard des êtres inanimés, comme les eaux, les fleurs, etc. En un mot, les deux premières parties sont une succession non interrompue de tableaux très-variés, et qui offrent les effets les plus pittoresques. 
La troisième n'est que l'expression de la reconnoissance d'Adam et d'Eve. Elle semble, par consequent, être moins riche, et se rapproche peut-être trop, non pas pour la manière, mais pour l'intention, des chants d'action de grâce quel le compositeur fait executer par les choeurs celestes, à la fin de chaque journée. L'orchestre, par la manière savante dont il a été conduit, a prouvé qu'une réunion d'instrumens, quelque considerable qu'elle soit, peut laisser entendre les chanteurs, et ne faire sentir son nombre que dans les momens où le musicien a voulu produire de grands effets par la combinaison la plus savante des accords.

Man muss die Oper am 3. gesehen haben, um sich eine Vorstellung des dortigen Glanzes zu bekommen. Alle die in Paris schön und jung sind, haben sich dort versammelt. Ab neun Uhr morgens stürmte die Masse die Verkaufstellen, ein Platz in der Loge wurde zu 1200 francs verkauft. Eine Dame habe, nur für den einen Tag, sich eine Diamantengarniture zu 60 Louis geliehen! Es war ein Wahn, man musste das viel gerühmte Oratorium Haydns gehört haben.
Und nichts ist wahrlich beeindruckender, wunderbarer, nichts kommt dem wirklichen göttlichen Werk so gleich, der Schöpfung der Welt, wie diese wundervolle Komposition.
Wir beschränken uns, zu sagen, dass sich durch die Idee, die Engel singen zu lassen, und damit die sieben Tage der Schöpfung zu beschreiben, der Komponist die schwere Aufgabe auferlegt hat, mit Gesang Bilder entstehen zu lassen, und nicht nur die Bewegungen jeden Wesens, sondern auch deren Gestalt, ja ihren Charakter; und dies ist ihm besser gelungen, als man es sich nur vorstellen könnte, selbst bei unbelebten Objekten wie Wasser, Blumen etc.
In einem Wort - die ersten beiden Teile sind eine ununterbrochene Abfolge von abwechslungsreichen Bildern, die uns die anmutigsten Effekte offerieren.
Der dritte Teil beschäftigt sich nur mit der Erkenntnis von Adam und Eva, und scheint, im Vergleich weniger reich, und nähert sich vielleicht zu sehr an, nicht in ihrer Art, doch in der Absicht des Gnadengesangs, welche der Komponist durch himmlische Chöre am Schlusse jedes Tages erklingen lässt.
Das Orchester, welches geschickt und mit grossem Wissen geführt wurde, bewies dass sich auch ein so zahlreiches Mitglieder umfassendes Ensemble die Sänger hören lässt, und tritt nur in voller Anzahl in Erscheinung, wenn diese Wirkung durch den Musiker zum Besten bewusst produziert wird.


Dazu muss man noch anmerken, dass Haydns grosse Orchesterbesetzung, welche wir heute als "normal" empfinden, von der zeitgenössischen Besetzung abweicht.

Gefolgt von einem Artikel mit der Überschrift Théâtre de l'Opéra Comique - also der Opera buffo oder der komischen Oper - der sich der Aufführung von Bion von Méhul widmet, basierend auf Bion von Smyrna Βίων ὁ Σμυρναῖος. (einem bukolischen Dichter der griechischen Antike, dem man grossen Einfluss auf die grossen Dichter der Antike zuspricht, von dem jedoch kaum etwas erhalten ist)
Die Zusammenfassung der Handlung ist etwas verwirrend, auf den Zeitgeschmack zurecht getrimmt,  und da mich Theater aktuell nur am Rande interessiert, empfehle ich, selbst nachzulesen, bis ich dazu komme, mehr dazu zu schreiben.
Verfasst wurde die Oper aber von Etienne Méhul, einem der bekannten Revolutionskomponisten.
Für uns noch wichtig mitzunehmen - Die Oper wurde am 6. Nivôse mit grossem Erfolg aufgeführt, d.h. wir haben es hier mit einer hochaktuellen Rezension zu tun, und in Erwartung, dass nicht jeder Leserin und jedem Leser vergönnt ist, die Aufführung eines Stückes zu sehen, dem der Berichterstatter offenbar doch recht grosse Wellen hervorsagt, wurde das Libretto en Détail im Artikel erläutert.

Gefolgt von einer Rezension der aktuellen Produktion La Martingalle im Théâtre des Troubadours, von dem ein Couplet komplett abgedruckt wurde (es geht in dem Stück ums Glücksspiel, und um die "absolut sichere Methode", in der Form einer Vaudeville Glosse mit Arlequin, Columbina und den ganzen anderen leichten Charakteren, die diese Lustspiele so auszeichnen
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Und nun kommen wir zu einer interessanten und langen Passage - Le mérite des femmes von G. Legouvé. Im aktuellen (1801) sozialen Klima ist dies besonders spannend, da wir in den letzten 10 Jahren ein Ringen um Gleichberechtigung miterleben. In unseren heutigen Augen ist der Auszug recht einseitig, und lobt Schönheit, Talent, die Mutterschaft - aber auch den modernen Vater, dem die moderne Frau nicht nur Geliebte sein soll, sondern auch Freundin. Und dass der Mann dies gefälligst zu schätzen lernen habe.

Der Abschnitt schliesst nach beinahe zweieinhalb Seiten mit:

La femme a nourri notre enfance, guidé nos premiers pas, enflammé notre jeunesse, elle embellit encore nos derniers jours. Que pourroient opposer les ennemis du sexe aux traits que le poëte leur a présentés. Les portraits de plusieurs femmes dont la honte ne tombe que sur elles; car, comme dit l'auteur, jugea-t-on jamais les rois sur les Tibères?

Les femmes, dût s'en plaindre une maligne envie,
Sont ces fleurs, ornement du désert de la vie.
Reviens de ton erreur, toi qui peux les flétrir:
Sache les respecter autant que les chérir;
Et, si la voix du sang n'est point une chimère,
Tombe aux pieds de ce sexe à qui tu dois ta mère.



Die Frauen, über die man sich bösartig das Maul zerreisst,
Sind die Blumen in der Wüste des Lebens,
Widerrufe deine Fehler, Du, der sie vertrocknen lässt.
Lerne sie ebenso zu respektieren, wie verehren,
Und wenn das Band des Blutes nicht nur ein Luftgespinst ist,
Dann fall zu Füssen dem Geschlecht, welchem Du Deine Mutter verdankst.

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Und wie erklärt man einer Frau, dass man sie für schöner als selbst Venus hält? Mit einigen simplen Versen, in denen Venus im Wettstreit mit Juno und Minerva unterliegt, wenn denn Elise bei Paris' Urteil auch anwesend gewesen wäre ;-)

snipped from Bunka Gakuen
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EXPLICATIONS DE LA GRAVURE, No. 269

Rose et capucine sont, après le blanc, les couleurs les plus ordinaires des capotes. On fait toujours des chapeaux de velours noir, mais pour la demi-parure seulement. On voit quelques chapeaux de velours ponceau, quelques autres en velours chiné. Les rubans sont toujours peluchés.
Le 3 à l'Opéra, on a remarqué des coëffures en cheveux à la Cérès, ayant en devant deux gerbes d'épis d'argent ou d'or, réunies en diadème. - Des réseaux à la Circassienne, en fil d'argent, larges derrière et revenant en pointes très étroites se nouer au dessus du front. - Des rûches de satin, ou de crêpe, préparées par les modistes pour recevoir de la main du coëffeur, la forme des coëffures à l'antique. - Des croissans, des diadèmes, des aigrettes de diamans à plusieurs branches.
Presque toutes les robes étoient coupée à la turque et garnies de clinquant. Quelques-unes étoient en satin blanc ou rose; un très-grand nombre étoit en crêpe blanc ou noir; sur quelques-unes brilloit une pluie de jais ou d'acier. Les capotes avoient, en devant, trois plumes blanches, ou un esprit. OU ne voyoit ni chapeaux noirs ni voiles: Quelques fichus de crêpe noir ou ponceau, imitoient le turban. 
Nous avons entre les mains des graveurs trois costumes pris dans cette brillante réunion.

Erklärung des Modekupfers No 269

Rose und Capucines (ein helles Rosenrot und ein orangerot mit einem Hauch von Rosa) sind nach Weiss, die geläufigsten Farben für Kapotten. Man fertigt immer noch Hüte von schwarzem Samt, doch nur demi-parure. Man sieht ebenso Ponceaufarbenen (Mohnrot) Hüte, andere in chiné velours, Die Bänder sind immer plüschig.

Am 3. in der Oper konnte man Frisuren à la Ceres bewundern, welche vorne mit zwei Garben Kornähren aus Silber oder Gold, geschmückt waren, die sich zum Diadem formen. Auh sieht man Netze à la Circassienne, aus Silberfaden. Hinten weit, so werden sie nach vorn hin schmäler und werden in kleinen Spitzen auf dem Stirn geknotet. Rüschen aus Satin, gefertigt von Modistinnen, wandern in die Hände der Coiffeure, für Frisuren nach Antiker Art. 
Eben so Halbmonde, Diademe, Diamantenaigretten mit mehreren Zweigen.
Beinahe alle Roben waren nach türkischer Art geschnitten, und aufs glitzerndste garniert. Einige waren aus rosa oder weissem Satin, eine grosse Anzahl in schwarzem oder weissem Crêpe, auf einigen schillerte ein Schauer von Gagat (Jet) oder geschnittenem Stahl.
Die Kapotten hatten vorne drei weisse Federn, oder auch einen Esprit. Man sah weder schwarze Hüte noch Schleier, nur einige Fichus aus schwarzem oder Ponceau Crêpe, welche Turbane imitierten.
Wir halten drei Kupfer in den Händen, die während dieser glänzenden Veranstaltung gezeichnet wurden. (Anmerkung: Und die wir wahrscheinlich erst in den nächsten Ausgaben zu sehen bekommen…)



Als Nachtrag der modernen Person: Ich persönlich finde es erstaunlich, dass mehr als eine Woche nach dem Attentat in der Rue Saint-Nicais (3 Nivôse), dem Datum auf welches sich der Modebericht bezieht, kein Wort über den Anschlag verloren wird, und man sich hingegen in Details der Toiletten und Accessoires ergeht.

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Enigme - das Rätselspiel, verfasst von einer Abonnentin / einem Abonennten in Bruges / Brügge.
Da es ziemlich witzlos ist, dies auf Deutsch zu übersetzen, lasse ich es auf französisch...
Donc - comme c'est fort inutile de le traduire en allemand, je le laisse en français - je suis curieuse qui savent le déduire de mes lectrices et lecteurs.

Snipped from page 160 Bunka Gakuen 

Also - bis zur nächsten Ausgabe, bonne lecture, et bonne année!


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Links zur besprochenen Ausgabe, No 20, 5tes Jahr der Zeitschrift:
http://digital.bunka.ac.jp/kichosho/file/No.414/414-0005-036.jpg - Titelseite 10 Nivôse An9: Leitartikel "Schleppen", sowie Theaterbesprechung Théâtre des Arts zu Haydns Schöpfung.
http://digital.bunka.ac.jp/kichosho/file/No.414/414-0005-037.jpg - Folgeseiten 154/155: Opéra: Kritik Haydns Schöpfung, Opéra Comique: Bion von Méhul, Théâtre de Troubadours, La Martingalle
http://digital.bunka.ac.jp/kichosho/file/No.414/414-0005-038.jpg - Folgeseiten 156/157 - Ende des Couplets von Martingalle / Le mérite des femmes
http://digital.bunka.ac.jp/kichosho/file/No.414/414-0005-039.jpg - Folgeseiten 158/159 - Ende des Le mérite des femmes, A Elise, Dialog, Explication de la Gravure 269
http://digital.bunka.ac.jp/kichosho/file/No.414/414-0005-040.jpg - Letzte Seite 160 - Beschreibung der Gravure, Rätsel & Impressum /  Titel der nächsten Ausgabe:



Tuesday, 31 October 2017

Der General B und die Solothurner Couronne (Krone)

Mitten in Solothurn, an prominenter Stelle zu Füssen der St. Ursenkathedrale steht ein elegantes Haus, welches erst dieses Jahr nach langer Umbauzeit wieder eröffnet worden ist - das Hotel de la Couronne.  
Photo: www.lacouronne-solothurn.ch/

Wie früher schon ist es wieder das erste Haus am Platz, doch man mag sich fragen, weshalb es hier Erwähnung findet, abgesehen von seinem Platz in der Ortsgeschichte?


Picture courtesy of SRF


Nun ja - das erste Haus am Platz hatte 1797 die "Ehre" dem General Bonaparte ein Festessen auszurichten. Der Wirt Franz Josef Schmid legte sich ins Zeug, und tischte auf, was Küche und Kammer hergaben, hielt die Speisen bereit, dass egal wann denn der General vorbeikäme, etwas bereitstünde, und heizte während zweier Tage den grossen Saal und zwei Zimmer...

Jedoch... Bürger General Bonaparte blieb in seiner Berline sitzen, begnügte sich mit einem Glas Wasser.

Photo: A Reeves April 2017

Die Rechnung von £ 1417 für das Festmahl sowie Pferdewechsel wurde von der Republik nie beglichen, und hängt heute noch immer als prominentester Ausstand im Foyer des Hotels. (die Lokalbehörde schob die Rechnung nach Frankreich, die befanden, sie hätten nichts bestellt, dass habe die lokale Obrigkeit zu verantworten und auch zu bezahlen)

Die Originalrechnung vom Alten Franz Schmid auf der linken Seite, Deutsch Französisch vermischt, darunter die Attestation dass der General nur ein Glas Wasser verlangt habe.
Photo: A. Reeves April 2017

Rechts die saubere Abschrift in gutem Französisch und einer leserlichen Schrift
Photo A. Reeves April 2017

Und das Ganze liest sich: 
Mois de Novembre

Mes gracieux seigneurs et Maîtres Doivent
17.18 et 19, puis les 21.22 (novembre) 5 jours
35 chevaux par jour                                                        L 1050.—
23. Sont arrivé M. le Général annoncé 4 Messieurs de Berne,
avec 15 hommes, en partie des cochers, en partie des serviteurs,
1 courrier de Fraubrunnen et quelques hommes de la
milice a cheval avec 14 chevaux jusqu’au 24                         £ 115.16
                                                                                                     £ 1165.16


La Générosité attendue a fait défaut n’ai rien reçu (habe nichts erhalten)
# 23 & 24. 21 chevaux pour Balstal                                        £. 252.- 
          Pour plusieurs courriers de passage –thé. Vins et liqueurs,
          idem pour l’illumination de la Salle et des deux pièces attenantes,
          tenue prêtes pour la réception du Général Bonaparte, selon la
          volonté de nos gracieux Seigneurs et Maitres, idem pour quelques
          plats préparés à tout hasard pour être servis au Général le cas
          échéant. Idem pour le chauffage de la Salle et des deux pièces
          voisines et le feu de cheminée, pendant deux jours et deux
          nuits, je m’en permets pour tout cela à la générosité de mes
          gracieux Seigneurs et Maitres                                    
  
                                                                                à payer =   £. 1417.16


        La facture ci-dessous a été écrite de la propre main du vieux Monsieur
Franz Schmid comme propriétaire de l’auberge et qui a fait rebâtir à neuf
l’Hôtel de la Couronne à Soleure.
        Le sous-signé se trouvait là en 1797 comme sommeiller lorsque
 le Général Bonaparte 1er est arrivé à Soleure, est resté dans sa berline et
a réclamé un verre d’eau, alors que son adjudant qui était assis à côté
de lui, m’a remis pour ma peine une pièce d’or sur l’assiette
                                                                                  Attesté par :
                                                                                  Andr. Bichly



Nehmen wir nun also die Rechnung, die in der Couronne in Solothurn offenblieb, dann war die mit £ 1417. Wenn das 1417 Louis wären, wie gerne angenommen dann entspräche dies 34000 Livres.
Oder - war sie "nur" 1417 Livres und nicht Louis? Das würde Anbetracht des Wertes auch mehr Sinn machen. 

Ich empfinde es als sehr schwierig, die Kaufkraft einer früheren Währung zu beziffern, ich versuche aber, es irgendwie (auch für mich) verständlich zu übersetzen. (Die Mitarbeiter vom Münzkabinett Winterthur würde nun sicherlich amüsiert den Kopf schütteln. Übrigens - Das kleine aber feine Museum lohnt die Reise nach Winterthur!)

Normalerweise schau ich an, wieviel ein Handwerker verdient, wieviel ein Hausdiener, eine Zofe etc.
Dann behalte ich im Hinterkopf, dass ca 95-98% für Lebenshaltungskosten draufgeht, und vergleiche Lebensmittelpreise, wie man heute die Kaufkraft auch über einen Warenkorb beziffert. 
Das Ganze dauert einfach immer seine Zeit, ist nicht wirklich fundiert, da die meisten Informationen auf dem Netz zusammengesucht werden.

Wikipedia meint dazu: 

Louis d’or entsprach 24 Livres, 1 Sou oder Sol waren ein Zwanzigstel Livre, 1 Liard entsprach ein Viertel Sou. 1 Sou wiederum waren zwölf Deniers. Es gab ein und zwei Sou oder Sol Münzen. Drei Deniers entsprachen einem Liard. 3 Livre waren ein Taler (Écu).

Ein durchschnittliches table d’hôte oder Mittagsmenü kostete 1 Livre; der Preis für ein Brot lag zwischen 2 Sous bis 12 Sous. Eine Tasse Café au lait in einem Straßencafé kostete 2 Sous. Der gewöhnliche Sitzplatz in der Comédie françaisewar für 1 Livre und in der Opéra für 2 Livres, 8 Sous zu erwerben. Die Fahrt mit einer Postkutsche, carrosse von Bordeaux nach Paris kostete 72 Livres.[3] Ein Drucker etwa bei der Produktion der Encyclopédie verdiente 2 Livre pro Tag, ein Vorarbeiter deren 3.
Ein Pferd für einen Handlungsreisenden kostete ungefähr 100 Livre,
eine neue Druckpresse schlug mit 300 Livre zu Buche, eine gebrauchte war für 250 Livre zu erstehen, ein 
Ries entsprechen 500 Bogen Papier und kosteten 9 Livres.[4]
Ein 
Minot Salz kostete 60 Livre und 7 sous.
Das 
Schuhputzen kostete in Paris um das Jahr 1775 2 Liards, also 6 Deniers.[5]
Der Preis für die durch Regierung unterstützte Gazette kostete als Jahresabonnement im Jahre 1774 12 Livres und 1785 15 Livre.
[6][7] Die Dirnenentlohnung bewegte sich um das Jahr 1790 in der Gegend des Palais Royal in Paris zwischen 7 und 20 Livres.[8]



Weiterführende Links:
https://en.wikipedia.org/wiki/Hotel_Krone,_Solothurn
http://www.lacouronne-solothurn.ch/
https://www.srf.ch/news/regional/aargau-solothurn/solothurn-hat-seine-krone-wieder


Merci an Kitty, ich hab den Fehler wirklich nicht gesehen :-)

Friday, 13 October 2017

Die Zürcher Platzpromenade

Im kürzlich geschriebenen Beitrag über Salomon Gessner habe ich den Platzspitz erwähnt. Da für viele der Name Platzspitz gleichbedeutend mit dem Drogenelend des "Needleparks" in den 1990er Jahren ist, habe ich mich entschieden, hier etwas über die Geschichte der Platzpromenade zu schreiben. Denn ein Park, den Sophie von la Roche nach einen Spaziergang mit unserem Gessner lobend erwähnt, hat etwas mehr Aufmerksamkeit verdient.
„Ich glaube, dass es wenig solche öffentliche Spaziergänge giebt. Unvergesslich ist dieser Spaziergang mir eingedrückt, weil ich da viele von den verehrungswürdigsten Männern von Zürich um meinen edlen Reisegefährten sah, und also zugleich kennen lernte.“

Wie man auf dem Plan Adrian Müllers erkennen kann, liegt die Platzpromenade auf dem Spitz der Sihlmündung, die sich dort der Limmat anschliesst. Ursprünglich war der Platzspitz der mittelalterliche Schiess & Exercierplatz ausserhalb der Stadtmauern, im 18. Jahrhundert wandelte er sich zur Stadtpromenade, wo man sich für die seelische Erquickung, fürs Sehen und Gesehen werden hinbegab. Die Gestaltung mit der Allee, die Sophie de la Roche so gefallen hat, wurde 1780 umgesetzt.
Plan von 1793, von Adrian Müller
Quelle: Wikicommons
Aber woher die Begeisterung für Parks, für das gepflegte Schlendern, den sonntäglichen Müssiggang? Ich denke, wir müssen uns da wie schon bei der Lektüre von Gessner und später auch Wieland vor Augen führen, dass die Zeitgenossen und die darauffolgende Generation sehr von Rousseaus Idealen geprägt war. Der gebildete Bürger sehnte sich nach einer Natürlichkeit, nach einem Stück authentischer, unschuldiger Natur.
Dies war in den Städten nicht zu finden; Wir dürfen nicht vergessen, damals standen meist überall noch hohe Stadtmauern (In Zürich findet sich ein Rest der Schanzenanlage sowohl im Stadtplan vom Kreis 1, sowie der Sihl entlang Richtung See, auch eine schöne Promenade), welche meist erst in der Mitte des 19. Jahrhunderts geschleift wurden.


Und ja, auch hier können wir unserem Herrn Gessner nicht entgehen, das Denkmal war schon in den 1780er Jahren eine Sehenswürdigkeit
[Franz Müller:  Dem Andenken des seligen Herrn Salomon Gessner weiland Rathsherrn in Zürich,
berühmten Dichters und Mahlers : [Gedicht] / von einem alten Freunde des Seligen und der Kunst, Zürich 1788,
Titelvignette von Johann Rudolf Holzhalb (1723–1806).
Quelle: 
https://www.hr-lavater.ch/2013/02/20/literarischer-tombeau-fur-salomon-gessner/

Und ein kleines Panoramabild von einem Spätsommertag auf der Platzpromenade (Nicht von diesem Jahr, heuer war es meist etwas verregnet)
Photo: A.Reeves 




Weiterführende Links:
PDF der Stadt Zürich zur Geschichte der lokalen Parks und Promenaden
https://de.wikipedia.org/wiki/Platzspitz
Kollektion digitalisierter Drucke der Schweiz: E-Rara.ch